Was erfolgreiche Kinderbücher ausmacht

Kinderbücher sind erfolgreich, wenn sie den Nerv der Kinder treffen, wenn die handelnden Personen etwas erleben, sich selbständig bewähren müssen, Abenteuer durchstehen, Geheimnisse lüften. Das erscheint selbstverständlich, ist es aber nicht. Erfolgreiche Kinderbücher spiegeln nicht den Alltag heutiger Kinder wider. Eher ähneln die Handlungen Wirklichkeit gewordenen Rollen beim Draußenspiel.

In Kinderbuchbestsellern gibt es keine langen Reflexionen über das Schulwissen oder über Medieninhalte. Auch ausführliche Beschreibungen von neu erworbenen Konsumgütern sucht man vergebens.

Schulunterricht ist höchstens Anlass um sich zu treffen und Ausgangspunkt von Konflikten, die gelöst werden müssen, oder von Abenteuern. Medienkonsum kommt so gut wie nicht vor. Harry Potter findet im Unterricht Hinweise, wie er die Zaubererwelt retten kann, was dann den Hauptteil der Handlung ausmacht. Pippi Langstrumpf macht sich lustig über die Schule und die „Fünf Freunde" finden pünktlich zu Ferienbeginn Hinweise auf Verbrechen.

Da hatten es das deutsche „Tigerteam" und die „TKKG" besser: Sie konnten auch am Nachmittag nach der Schule auf Verbrecherjagd gehen. Das wird angesichts von fast flächendeckendem Ganztagsunterricht in Zukunft schwierig.

Bücher, die eher von Mädchen gelesen werden, haben häufiger einen realistischen Hintergrund. In den vielen Pferdebüchern oder Internatsbüchern leben Mädchen in einer überschaubaren Umgebung und lösen ihre zwischenmenschlichen Konflikte selbständig.

Bücher, die auch oder vorwiegend Jungen ansprechen, haben weniger mit einer Umgebung zu tun, die von Erwachsenen gelenkt wird. Die handelnden Kinder müssen Härten auf sich nehmen und leisten einen Beitrag dazu, die Erwachsenenwelt von Schlechtem zu befreien.

Spiegelt sich hier wider, dass Mädchen ihre Sehnsüchte zu einem größeren Teil in der heutigen Realität ausleben können als Jungen, die lieber in virtuelle Welten flüchten? Kinderbücher, die in den letzten Jahren erfolgreich waren, spielen oft in einer Parallelwelt, die völlig anders funktioniert als unsere: Harry Potter, die Tribute von Panem, Tintenherz. Sind Handlungsabläufe, die fiktive Erlebnisse von Kindern darstellen und in der heutigen Wirklichkeit angesiedelt werden können, nicht mehr denkbar?

Was die Handlungen von erfolgreichen Kinderbüchern ausmacht: Selbständigkeit, die geringe Rolle von Erwachsenen, das durchaus nicht immer harmonische Miteinander unter Kindern, das Entdecken von Geheimnissen in der Umgebung hat weniger mit der heutigen Kindheit als mit den Kindheiten zur Zeit der evolutionären Entwicklung des Menschen zu tun und viel mit dem Draußenspiel.

 

Zum Weiterlesen

Christiane Richard-Elsner: Abenteuer – nur im Kinderbuch? Unerzogen, (2) 2015, S. 20-24,  hier geht es zur pdf

 

CRE

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