Bespielbare Stadt

Die Stadt Griesheim - erste bespielbare Stadt Deutschlands

Die südhessische Stadt Griesheim (gut 28.000 EW) betreibt seit dem Jahr 2009 eine umfassende und konsequente Vernetzung und Entwicklung von Spielräumen und Spielwegen. Anlass für die Initiative war die Erkenntnis, dass Orte, an denen sich Kinder aufhalten können durch konkurrierende Nutzungen verschwanden bzw. verinselten. Die Wege zu den Kinderorten waren von Monotonie, parkenden Autos und verschlossenen Grundstücken gekennzeichnet.
Vor diesem Hintergrund fiel 2008 die Entscheidung der Stadt Griesheim, im Verbund mit der Evangelischen Hochschule Darmstadt das Konzept der bespielbaren Stadt unter intensiver Beteiligung von Kindern stadtweit umzusetzen. Seit 2011 signalisieren definitionsoffene Spielobjekte an mehr als 100 Stellen, dass Kinder an den entsprechenden Stellen und Wegen zu erwarten sind. Alle Spielpunkte sind Teil eines ausgedehnten Spielwegenetzes. An viel frequentierten Querungsstellen wurden zwei eigens entwickelte Symbolsteine - der sog. kleine Griesheimer – ins Pflaster eingelassen. Die kleinen Griesheimer leiten die Kinder auf dem Weg zur Schule.

 Straßenbelag definitionsoffen

Durchführung: Kinderbeteiligung von Anfang an!

Alle Kinder der drei Griesheimer Grundschulen markierten an einemStichtag im Jahr 2009 zunächst ihre Wege zur Schule mit Kreide aufs Pflaster. Die Markierungen wurden auf einen Plan übertragen. Mehr als 1000 Kindern wurden befragt, um wertvolle Hinweise über die Wege und Orte  zu sammeln, die Kinder in ihrer Freizeit benutzen bzw. aufsuchen. Zudem wurden bereits installierte Objekte kartiert und vorhandene öffentliche Flächen bewertet. Die Zusammenführung aller Informationen bildete die Grundlage für die Auswahl der Orte der neuen Objekte. Eine weitere Befragung von 850 Kindern über Wahrnehmung und Nutzung der Spielpunkte beendete den Beteiligungsprozess. Die Wahrnehmungsquote der einzelnen Objekte lag zwischen 96% und 25%. Die neue "Möblierung" fanden gut 74% der Kinder spannend. Dabei nimmt die Zustimmung vom ersten Schuljahr bis zum vierten Schuljahr kontinuierlich ab - ein deutlicher Hinweis auf eine altersspezifische Wirkung.

Alle drei Jahre werden die Kinderwege überprüft und angepasst. Besonderes Augenmerk wird auf die Querungsstellen gelegt, denn die Beachtung des kleinen Griesheimers ist kein Selbstläufer. Polizei und Kindergärten bewerben diese immer wieder aufs Neue.

Steine- definitionsoffen

Engagement mehrfach ausgezeichnet

Dass Griesheim zu den Vorreitern in Sachen kinderfreundliche Verkehrsplanung und Straßenraumgestaltung gehört, spiegelt sich in diversen Auszeichnungen wider. So gehörte Griesheim beim 15. ADAC-Wettbewerb für Städte und Gemeinden in der Kategorie "Schülerverkehr" zu den Siegerstädten. Beim europäischen Wettbewerb der Stiftung "Lebendige Stadt" gewann das Konzept 2009 den Hauptpreis. Im selben Jahr wurde Griesheim mit dem Deutschen Spielraumpreis ausgezeichnet. Die Jury lobte u. a. die Konsequenz, mit der der Netzwerkgedanke verfolgt wurde. Sie war vom Gesamtangebot überzeugt, welches auch Anregungspotenzial und Nutzungsmöglichkeiten für Erwachsene und ältere Menschen enthält und hob hervor, dass das Konzept auf einem Beteiligungsverfahren basiert. Im Jahr 2014 belegte die Stadt Griesheim zudem den 2. Platz beim Hessischer Demographiepreis, eine Entscheidung, die sich im Wesentlichen auf die beiden Elemente "bespielbare Stadt" und "besitzbare Stadt" stützte.

Und im Frühjahr 2015 wird Petersberg bei Fulda Deutschlands erste bespielbare und besitzbare Gemeinde.

weiterführende Links:

Griesheim- bespielbare Stadt mit vielen Materialien zur Information und zum Runterladen

Bespielbare Stadt- Projekt

Weiterführende Literatur

Meyer, Bernhard (2009): Die bespielbare Stadt. Die Rückeroberung des öffentlichen Raumes. Aachen: Shaker.

Meyer, Bernhard (2009): Perspektivenwechsel und demokratisches Lernen. Aachen: Shaker.

 

Autor: Prof. Bernhard Meyer

 

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