Initiative für Große Kinder e.V.

Die Initiative für Große Kinder ist ein Kreis unter anderem von Wissenschaftlern, Pädagogen und Stadtentwicklern, die sich zusammen getan haben, um die Belange von Kindern zwischen Vorschul- und Jugendalter stärker in das Bewusstsein der verantwortlichen Erwachsenen in Familie, Schule und Gesellschaft zu bringen. Ein wesentlicher Punkt ist das Bedürfnis der Kinder nach Freiräumen und Selbstbestimmung.

Die Lebensbedingungen von Kindern in den Industrienationen haben sich dramatisch verändert: ihr Alltag wird nicht nur durch zunehmenden Medienkonsum, elektronische Spielsachen, veränderte Ernährungsgewohnheiten, geringe Geschwisterzahl und höheren Schuldruck bestimmt, sondern auch durch zurückgehende Bewegungs-, Begegnungs-, Spiel- und Erfahrungsräume. Das betrifft vor allem Kinder im Schulalter, die dem „Kleinkind- Spielplatz" mit Sandkasten, Schaukel und Rutsche entwachsen sind, die sich aber von den gängigen Jugendfreizeitbeschäftigungen im Grunde doch noch nicht angesprochen fühlen.

Die „Großen Kinder" zwischen etwa 6 und 14 Jahren brauchen für eine gesunde seelische, körperliche soziale und emotionale Entwicklung neben Unterweisung und Anleitung durch Erwachsene vor allem ausreichend Zeit und Raum, um ohne direkte Beeinflussung durch Erwachsene mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, sich zu bewegen, aus eigener Initiative aktiv zu sein, sich im eigenständigen Spiel selbst zu erfahren, die Welt in einem allmählich größer werdenden Radius zu entdecken.

Forschungsergebnisse bestätigen immer wieder, dass Kinder, die genug Platz, Zeit, Anregungen und Altersgenossen haben, um diese grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft seltener fernsehen, besser in der Schule sind, sich gesünder fühlen und selbstsicherer sind, weniger aggressiv oder depressiv sind und weniger unter Stresssymptomen, wie Kopf- oder Bauchschmerzen sowie Schlafstörungen leiden und auch seltener Konzentrationsprobleme haben.

Darüber hinaus erwerben Kinder, die sich weitgehend eigenständig in der Umgebung ihrer Wohnung mit anderen Kindern treffen und auf eigene Faust ihre „Welt entdecken und erobern" können, die ihre „eigenen" Lebens- und Rückzugsräume haben, offenkundig jene wichtigen Schlüsselqualifikationen, die sie benötigen, um mit anderen befriedigend zusammenleben und zusammenarbeiten zu können. Davon profitieren Familie, Klassenklima und Freundeskreise.

Diese Qualifikationen sind auch für die modernen Dienstleistungsgesellschaft unabdingbar, werden gleichwohl bei jungen Bewerbern und Berufseinsteigern oftmals vermisst: Rücksichtnahme, Taktgefühl, Teamfähigkeit, Selbstsicherheit, Selbstkritik, Initiative, Kreativität, Improvisationsgabe, Beweglichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Risikoabschätzung, um nur einige zu nennen.

Es ist nicht nur im Interesse der Kinder selbst, sondern auch in unser aller im Interesse an der Zeit, dass wir uns als verantwortliche Erwachsene mit der Frage beschäftigen, wie Kindern zwischen Vorschul- und Jugendalter verloren gegangene Lebensqualität zurück gegeben werden kann, damit sie sich gut und gesund entwickeln können und sich als ernst zu nehmende Mitglieder in unserer Gesellschaft willkommen und beteiligt fühlen. Dazu gehört eine kindgerechte Kommune ebenso, wie eine kindgerechte Schule.

 

Autorin: Oggi Enderlein Initiative für große Kinder e.V.

 

Weiterführende Literatur

Oggi Enderlein: Große Kinder. Die aufregenden Jahre zwischen 7 und 13, 6. Aufl. dtv, München 2012

 

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Die Lebensbedingungen von Kindern in den Industrienationen haben sich dramatisch verändert: ihr Alltag wird nicht nur durch zunehmenden Medienkonsum, elektronische Spielsachen, veränderte Ernährungsgewohnheiten, geringe Geschwisterzahl und höheren Schuldruck bestimmt, sondern auch durch zurückgehende Bewegungs-, Begegnungs-, Spiel- und Erfahrungsräume. Das betrifft vor allem Kinder im Schulalter, die dem „Kleinkind- Spielplatz“ mit Sandkasten, Schaukel und Rutsche entwachsen sind, die sich aber von den gängigen Jugendfreizeitbeschäftigungen im Grunde doch noch nicht angesprochen fühlen.

Die „Großen Kinder“ zwischen etwa 6 und 14 Jahren brauchen für eine gesunde seelische, körperliche soziale und emotionale Entwicklung neben Unterweisung und Anleitung durch Erwachsene vor allem ausreichend Zeit und Raum, um ohne direkte Beeinflussung durch Erwachsene mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, sich zu bewegen, aus eigener Initiative aktiv zu sein, sich im eigenständigen Spiel selbst zu er­fahren, die Welt in einem allmählich größer werdenden Radius zu entdecken. Forschungen bestätigen immer wieder, dass Kinder, die genug Platz, Zeit, Anregungen und Altersgenossen haben, um diese grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft seltener fernsehen, besser in der Schule sind, sich gesünder fühlen und selbstsicherer sind, weniger aggressiv oder depressiv sind und weniger unter Stresssymptomen, wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen leiden und auch seltener Konzentrationsprobleme haben.  

Darüber hinaus erwerben Kinder, die sich noch weitgehend eigenständig in der Umgebung ihrer Wohnung mit anderen Kindern treffen und auf eigene Faust ihre „Welt entdecken und erobern“ können, die ihre „eigenen“ Lebens- und Rückzugsräume haben, offenkundig jene wichtigen Schlüsselqualifikationen, die sie benötigen, um mit anderen befriedigend zusammenleben und zu­sammenarbeiten zu können. Davon profitieren Familie, Klassenklima und Freundeskreise.

Diese Qualifikationen sind auch für die modernen Dienstleistungsgesellschaft unabdingbar, werden gleichwohl bei jungen Bewerbern und Berufseinsteigern oftmals vermisst: Rücksichtnahme, Taktgefühl, Teamfähigkeit, Selbstsicherheit, Selbstkritik, Initiative, Kreativität, Improvisationsgabe, Beweglichkeit, Verant­wortungsbewusstsein, Risikoabschätzung, um nur einige zu nennen.

Es ist nicht nur im Interesse der Kinder selbst, sondern auch in unser aller im Interesse an der Zeit, dass wir als verantwortliche Erwachsene uns mit der Frage beschäftigen, wie Kindern zwischen Vorschul- und Jugendalter verloren gegangene Lebensqualität zurück gegeben werden kann, damit sie sich gut und gesund entwickeln können und sich als ernst zu nehmende Mitglieder in unserer Gesellschaft willkommen und beteiligt fühlen. Dazu gehört eine kindgerechte Kommune ebenso, wie eine kindgerechte Schule.

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Tags: Akteure

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