Gabriele Pohl

 Die Diplompädagogin und Kinder-und Jugendlichentherapeutin Gabriele Pohl beschäftigt sich seit Jahrzehnten theoretisch, aber vor allem auch praktisch mit dem kindlichen Spiel. Nichts - außer liebevollen Eltern - ist wertvoller für die kindliche Entwicklung als die Möglichkeit frei und ungehindert draußen mit anderen Kindern spielen zu können.

Ihr 2006 Jahren zum ersten Mal erschienenes Buch: „Kindheit- aufs Spiel gesetzt" ist ein lebhaftes Plädoyer dafür, das freie, kreative kindliche Spiel als Voraussetzung für die Ausbildung kognitiver, sozialer, emotionaler und motorischer Fähigkeiten zu würdigen.

In dem von ihr gegründeten Kaspar Hauser Institut für heilende Pädagogik, Kunst und Psychotherapie in Mannheim setzt sie ganz auf das Spiel als aktive Lebensbewältigung, indem die Kinder aktiv, reaktiv und projektiv ihr Leben ordnen, verstehen und Strategien entwickeln, um Lebens- und Entwicklungskrisen zu bewältigen. Neben dem Figurenspiel als Medium wertet sie Sinneserleben und Selbstwirksamkeitserfahrung bei Abenteuernachmittagen und gemeinsamen Waldübernachtungen als hilfreiche Maßnahmen dafür.

Ängstlich werden Kinder heute von der sie umgebenden natürlichen Welt abgeschirmt, dürfen kaum noch alleine draußen sein und eigene Erfahrungen machen.

Die Natur als Rückzug und als Rückversicherung der eigenen Existenz wird nicht mehr als wesentlich erachtet. Die Möglichkeit, die die Natur bietet, dem Gestaltungswillen des Kindes und seiner Fantasie Raum zu geben, ist deutlich beschränkt.

Diesem Zeitphänomen muss entgegengewirkt werden, will man die leibliche, seelische und geistige Gesundheit der Kinder erhalten. Kinder und Jugendliche müssen die Sinnhaftigkeit ihres Daseins und Tuns erfahren, ihre Fähigkeiten entdecken und eine eigene Lebensperspektive entwickeln können. Die Schule leistet mit ihrem Konkurrenz- und Leistungsdruck und ihrem Schwerpunkt auf dem kognitiven Lernen dazu kaum einen Beitrag. Immer mehr verweigern sich daher dem System. Diese Heranwachsenden sind Seismographen für eine notwendige Umkehr in der Pädagogik.

Gabriele Pohl bereitet mit andern für diese Kinder eine Heimat vor im ZWISCHENRAUM für lebensnahes Lernen, für Individualentwicklung und seelische Gesundung, in der sich die Heranwachsenden im Kontakt mit der Natur, im Spiel, im Gestalten ihrer Umgebung, im Erleben der Elemente und in der gärtnerischen und landwirtschaftlichen, in der handwerklichen und künstlerischen Tätigkeit als Ganzes empfinden können, Sinn erleben und in Kontakt mit sich selber sind. Kinder tragen Gestaltungskräfte in sich, die Entfaltung in Freiheit brauchen.

 

Autorin: Gabriele Pohl, Kaspar Hauser Institut für heilende Pädagogik, Kunst und Psychotherapie , ZWISCHENRAUM für lebensnahes Lernen, für Individualentwicklung und seelische Gesundung


Weiterführende Literatur

Gabriele Pohl: Kindheit- aufs Spiel gesetzt, Berlin 2011, 3. Auflage 

Gabriele Pohl: Lasst die Kinder raus! in: Erziehungskunst 3/2009 hier

 

 

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